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Manfred Lütz im Bergson: Der Theologe über sein Buch „Neue Irre“

Der Theologe Manfred Lütz im Bergson Kunstkraftwerk: Zwischen Wahnsinn, Verantwortung und viel Gelächter

Manfred Lütz war im Juni 2026 mit seinem Programm „Neue Irre“ zu Gast im Bergson Kunstkraftwerk und brachte Psychologie, Theologie und Gesellschaftskritik in einem ebenso humorvollen wie nachdenklichen Abend zusammen. Der ausverkaufte Auftritt im Bergson Kunstkraftwerk zeigte eindrucksvoll, wie sich wissenschaftliche Perspektiven und Kabarett verbinden lassen. Neben zahlreichen Besucher:innen gab es auch vereinzelt Gäste, die leider kein Ticket mehr ergattern konnten und so vor Ort noch ihr Glück versuchten. Von Schildern mit der Aufschrift "Suche Tickets für Lütz" über den Versuch, doch noch Sondertickets an unserem Foyerschalter zu bekommen, war alles dabei. Du willst den nächsten Termin auch auf keinen Fall verpassen? Am Ende unseres Beitrags findest du Infos zum nächsten Termin im November!

 

Zwischen Expertenwissen und Lebenserfahrung

Zu Beginn stellte der Psychiater und Theologe Lütz die provokante These auf, dass unsere Gesellschaft zwar über immer mehr Expertenwissen verfüge, aber nicht zwingend über mehr Lebenserfahrung. Viele zentrale Einsichten entstünden nicht durch Theorie, sondern durch persönliche Krisen, Scheitern und biografische Brüche. Wer nie gescheitert sei, verstehe das Leben oft nur oberflächlich.

 

„Neue Irre“: Wer ist eigentlich verrückt?

Ausgehend von seinem Bestseller „Irre – Wir behandeln die Falschen“ hinterfragte Lütz, ob gesellschaftliche Probleme wirklich vor allem in der Psychiatrie verortet seien. Während tagsüber Menschen mit Depressionen oder schweren psychischen Erkrankungen behandelt würden, zeigten sich in Politik und Wirtschaft oft ganz andere Formen problematischen Verhaltens.

 

Der Theologe betonte dabei mit Humor, dass nicht jede destruktive Persönlichkeit automatisch eine psychiatrische Diagnose brauche. Vielmehr müsse man unterscheiden zwischen Krankheit und charakterlicher oder moralischer Verantwortung. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung stellte Lütz so auch heraus, dass Charaktere wie Donald Trump nicht unbedingt eine Störung haben sondern oftmals verzerrte Moralvorstellungen eine Rolle spielen.

Verantwortung statt Ferndiagnose

 

Ein zentrales Thema des Abends im Bergson Kunstkraftwerk war die klare Abgrenzung zwischen psychischer Erkrankung und Schuld. Am Beispiel historischer und politischer Figuren machte Manfred Lütz deutlich, dass vorschnelle Ferndiagnosen problematisch seien. Täter:innen dürften nicht durch medizinische Begriffe entlastet werden, wenn es um moralische Verantwortung geht.

Auch aktuelle politische Persönlichkeiten wurden angesprochen – jedoch ohne Diagnosen. Stattdessen verwies Lütz darauf, dass politische Macht und Charaktereigenschaften oft eine größere Rolle spielen als medizinische Erklärungen.

 

Psychische Erkrankungen als Teil des Lebens

Gleichzeitig machte der Psychiater deutlich, dass psychische Erkrankungen zum menschlichen Leben dazugehören. Etwa ein Drittel aller Menschen erlebt im Laufe des Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Störung. Besonders eindrücklich beschrieb er Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis, um Verständnis für Betroffene zu fördern.

 

Humor, der zum Nachdenken anregt

Trotz der ernsten Inhalte blieb der Abend im Bergson Kunstkraftwerk geprägt von Humor. Skurrile Vergleiche und pointierte Aussagen – etwa über den „Bandwurm als möglichen Höhepunkt der Evolution“ – sorgten für schallendes Lachen im Publikum. Wichtig blieb dabei stets, dass sich der Humor nicht gegen Patient:innen richtete, sondern gegen gesellschaftliche Missverständnisse.

 

Fazit: Ein Abend zwischen Wissenschaft und Kabarett

Der Auftritt von Theologe Manfred Lütz im Bergson Kunstkraftwerk zeigte eindrucksvoll, wie sich Psychiatrie, Theologie und Gesellschaftskritik verbinden lassen. Lütz vermittelte komplexe Themen verständlich, kritisch und unterhaltsam zugleich. Am Ende blieb ein Abend voller Erkenntnisse, Humor und Fragen darüber, wie wir Normalität und „Verrücktheit“ eigentlich definieren.

 
 
 

Über Manfred Lütz

Manfred Lütz ist Psychiater, Psychotherapeut, Theologe, Kolumnist, Kabarettist und Autor von elf Spiegel-Bestsellern. Sein bekanntestes Werk, „Irre – Wir behandeln die Falschen“, wurde nahezu eine Million Mal verkauft.

Von 1997 bis 2019 leitete er das auf psychische Erkrankungen spezialisierte Alexianer-Krankenhaus in Köln. Mit seinem aktuellen Programm „Neue Irre“ tourt der Theologe und Psychiater derzeit durch Deutschland.

Du willst Manfred Lütz nächsten Auftritt im Bergson auf keinen Fall verpassen?

Am 11. November 2026 spricht Manfred Lütz im Bergson über sein neues Buch  „Churchills Augen. Psychologische Lichtblicke in irren Zeiten“.