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Der Experte fürs prima Klima

Kategorien

Im Werden

Autor

Hans Fuchs

Gast

Karl-Heinz Mayer

Karl-Heinz Mayer im Gespräch

Auch ein Denkmal will modern versorgt sein. Ingenieur Karl-Heinz Mayer stattet das Bergson vom Keller bis zum Dach mit High End-Technologie aus, die niemand sehen soll. Um das zu erreichen, ist seine gesamte Erfahrung aus 40 Jahren am Bau gefragt.

 

Herr Mayer, welche Versorgungsbereiche decken Sie im Bergson ab?

Wir kümmern uns bei diesem Gebäude um die Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung, die Heiz- und Klimatechnik, die Lüftungstechnik für sämtliche Bereiche – alles, was in Rohren hin- und herbewegt wird, geht auf unser Konto. Auch die Parkplatz- und Dachentwässerung gehört zu unseren Aufgaben.

 

Wo ordnen Sie ein Projekt dieser Größe ein?

Es ist weniger eine Frage der Dimensionen, sondern vielmehr die Kombination aus Alt und Neu: Für uns ist das Bergson eigentlich ein Neubau mit der Herausforderung, dass er in einer denkmalgeschützten Hülle stattfindet. Es ist die mit Abstand komplizierteste Aufgabe, an die ich mich je herangewagt habe.

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Was macht die Arbeit am Bergson so kompliziert?

Wir haben beispielsweise keine Zwischengeschosse, deren Böden beziehungsweise Decken man nutzen könnte, um Rohre unsichtbar zu verlegen. Unsere Technik will ja keiner sehen, wenn das Haus fertig ist. Niemand möchte in einer Kunstausstellung ein Abwasserrohr betrachten müssen.

 

Wie beheizt man ein 25 Meter hohes, innen offenes Gebäude?

In der Bodenfläche und auf den Emporen bauen wir eine Fußbodenheizung ein, die eine gewisse Grundwärme erzeugen wird. Auf dem Dach werden Lüftungsanlagen installiert, die über kräftige Düsen im Winter zuheizen und im Sommer kühlen. Die Kunst dabei ist tatsächlich, die große Innenhöhe zu überlisten.

Wie wirkt sich der Aspekt Denkmalschutz auf Ihre Aufgabe aus?

Mich betreffen die riesigen Fenster mit der Einfassung aus Naturstein. Die bleiben im Urzustand, aber sie bekommen natürlich eine Isolierverglasung. Es besteht aber Gefahr, dass die kostbaren Rahmen im Winter anlaufen und leiden. Als die alten Kessel noch in Betrieb waren, hat die hohe Innentemperatur von 40 Grad den Job erledigt.

 

Wie haben Sie das Problem ohne Kessel gelöst?

Wir gaukeln den Fenstern vor, es sei alles wie früher: Eine Heizung darüber wird sie gleichmäßig beströmen. Das ist schon anspruchsvoll, aber es wird funktionieren.

 

Macht so ein Projekt Spaß?

Einen Riesenspaß sogar, auch wenn mir die Ausführung sicher alles abverlangen wird. Für die Bauherren ist das Bergson eine Herzensangelegenheit und wenn ich ehrlich bin, für mich auch. Ich bin mit Herzblut dabei und das wird sozusagen mein Meisterstück.

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Was bereitet Ihnen am meisten Genuss?

Ich kann in Technik schwelgen. In der Kunstausstellung bauen wir beispielsweise eine Vollklimaanlage ein – das ist High End-Technologie, die das ganze Jahr über eine gleichbleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit garantiert und die kostbaren Werke schützt.

 

Wann beginnt für Sie die heiße Phase?

Gegen Ende dieses Jahres legen wir los. Sobald das Haus abgedichtet ist, beginnen wir damit, den Keller leerzupumpen. Hier bauen wir dann den Maschinenraum ein.

 

Dort unten lebt auch die Mopsfledermaus, die sich im Bergson eingerichtet hat. Sind Sie ihr schon begegnet?

Nicht persönlich, sie hat ja ihren eigenen Bereich bekommen. Aber ihr Einflugtunnel bringt uns ins Schwitzen, weil er sich mit unseren Rohren kreuzt. Wir werden also etwas tiefer graben müssen. Aber sie kann auf uns anstoßen, denn auch ihre Tränke wird von uns versorgt.

 

 

Portrait Photography © Kerstin Scheller-Kieburg